Kurz und treffend

Jurek Grodek geht mit seinen Epigrammen kreuz und quer durch die Welt. Der Pole Grodek ist ein Weltbürger. Er siedelt im Oderbruch, auf der deutschen Seite der Oder. Dort hat ihn die Liebe hingeführt. Das Oderbruch kommt in seinen Epigrammen direkt noch nicht vor. Da ist vielleicht noch etwas zu erwarten.

Ihm ist nichts heilig, und das ist gut so. Die Zustände, in die der Mensch fällt oder die er selbst herbei schafft, sind Grodeks Gegenstand. Den wälzt er lange durch den Kopf, unbewußt und unterbewußt, und dann schreibt er ihn blitzschnell auf. Nachts zum Beispiel. „Endlich kamen sie auf den geraden Weg in eine Sackgasse”. Die Bedichtung dieses Vorganges ist die Probe auf seine Wahrheit. Die haben ihm seine Indentität als Pole, seine Lebenserfahrung und seine Kulturarbeit eingegeben.

Kulturarbeit hat er im Kreis Märkisch - Oderland, in Bad Freienwalde, lange Zeit praktisch betrieben. Daß dabei deutsch-polnische Projekte im Zentrum standen, liegt auf der Hand.

Jurek Grodek ist ein ernsthafter Spötter. Sein Spott ist mitunter hart, er verletzt aber nicht.

Der Leser seiner Epigramme muß mit Grodeks Wahr­heiten leben.

Das kann er aber nur mit einem lachenden und einem weinenden Auge zugleich.

Der Autor kommt aus dem westpolnischen Gorzów. Er pendelt zwischen Oderbruch und Westpolen hin und her. Man könnte sagen, er sei ein Wanderer zwischen den Welten. Ich weiß nur, das er beide miteinander verbin­den will. Das ist schwer.

Und während er über einen neuen Schachzug nach­denkt, läuft ihm „dies und das” durch den Kopf. Schließlich erscheint immer – neben einem möglichen Sieg oder einem Remis auf dem Schachbrett – die Idee eines neuen Projekts. Im Ergebnis der praktischen Ver­wirklichung fallen ihm auch vielleicht ein paar neue Epigramme ein.

Seit ich Jurek Grodek kenne, geht es mir an der deutsch - polnischen Grenze besser. Mein Wohlbefinden ist grö­ßer geworden, weil er ein verläßlicher Partner ist.

Ich sehe ihn als einen Schriftstellerkollegen an, der auch mich in deutscher Sprach lesen kann. Mir bereitet die polnische noch Schwierigkeiten. Ich ahne, dass sei­ne Epigramme in der Muttersprache bissiger sind als in ihrer deutschen Übersetzung.

Erstmals liegt von Jurek Grodek ein zweisprachiges Buch vor. Das ist einer der richtigen Wege, sich be­kannt zu machen.

                                                                                   Hans Joachim Nauschütz

Jerzy Grodek – eine ungewöhnliche Gestalt im Leben und in der Literatur.

Im Leben – ein Mannsbild von beträchtlichen Ausmassen, mit Haaren, die oft in einen halbmeterlangen Pferdeschwanz oder einen Zopf (popes) zusammengefaßt sind, mit einem großen ledernen Hut und einer unverzichtbaren Pfeife.

In der Literatur – ein Miniaturist, Verfasser witziger, oft derber Epigramme, blitzartiger Gnomen und Aphorismen. Von Geburt an Gorzowianer (Landsberger), verliebte er sich auf seine “alten Jahre“ in ein deutsches Mädchen und ließ sich mit ihr in einem kleinen Dörfchen bei Bad Freienwalde nieder, linksseitig des Oderlaufs in Richtung Ostsee.

Dort hat er auch mit Erfolg begonnen, die polnische Kultur auf deutschem Boden zu verbreiten. Seine Fähigkeit, sich selbst und sein Verhältnis zur Welt in der kleinsten literarischen Form zum Ausdruck zu bringen, welches der sog. “goldene Gedanke“, das Epigramm ist, wurde offenkundig, als er den Wettbewerb unter dem Motto “Epigramm – das Lächeln des Alltags”, gewonnen hatte.

Einige Jahre Arbeit bei der Vervollkommnung seiner literarischen Werkstatt, trugen Früchte in seinem ersten, 1995 veröffentlichten Buch “afEryzmy“. Das Bändchen Epigramme, es waren ihrer 99, habe ich persönlich das Vergnügen gehabt, für den Druck im Verlag “Arsenal“ vorzubereiten. Ihren Wert steigerten zusätzlich die Graphiken von Bolesław Kowalski.

Jureks neues Buch – das sind Explosionen von Gedanken – hinterlistigen, unerwarteten, unvorhergesehenen. Gedanken über alles und nichts. Es ist schon verwunderlich, was diesem Grodek in seinem Zottelkopf umhergeht: “Er faltete die Hände zum Beifall – und fand sich in Handschellen wieder“.

Die letzten vier Jahren trugen Früchte vor allem in der Aphoristik. Epigramme sind weniger entstanden – ich veröffentlichte sie regelmäßig in der kulturellen Monatszeitschrift, dem “Gorzower Arsenal“. Aphoristik – keine einfache Sache – sie erfordert eine hohe schöpferische Spannung. Und daneben sind da noch diese Kopfschmerzen, die seit einiger Zeit den Jurek heimsuchen. Er muß sich beeilen, um in den schmerzfreien Augenblicken etwas neues zu überdenken und es in einen kurzen Satz einzuschließen. Man sieht diese Eile insbesondere in den zwei, drei Wörter umfassenden Satz – Äquivalenten, gleichsam Überschriften für “größere Einheiten“, in kurz zu Papier gebrachten Einfällen, zu denen er möglicherweise einmal zurückkehren wird. Eben in solchen Worten, die keinen Aufschub dulden, die er mit dem Leser teilen will. Drücken Sie ein Auge zu bei Worten, die manchmal wenig für Zensur geeignet sind. “Papier errötet nicht“ – pflegt Grodek zu sagen, “es kommt ihm die Galle der Vergänglichkeit hoch“.

Ich empfehle dieses Büchlein der Aufmerksamkeit der Leser.

                                                                                  Irenusz Krzysztof Szmidt

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